☝️ Das Wichtigste in Kürze
- Niedergelassene Hausärzt/-innen haben ein höheres Verdienstpotenzial als angestellte Ärzt/-innen.
- Das durchschnittliche Monatsgehalt liegt bei etwa 13.000 Euro brutto.
- Das tatsächliche Einkommen hängt von Praxiseinnahmen und -kosten ab.
- Standort, Patientenzahl und Spezialisierung beeinflussen das Gehalt.
- In den alten Bundesländern verdienen niedergelassene Ärzt/-innen meist mehr als in den neuen Ländern.
📖 Inhaltsverzeichnis
Das Gehalt als Hausarzt mit eigener Praxis lässt sich als Selbstständige/-r weitgehend selbst gestalten. Im Vergleich zu angestellten Ärzt/-innen in Krankenhäusern bietet die Selbstständigkeit in einer Arztpraxis ein höheres Verdienstpotenzial. Allerdings ist dies mit einem unternehmerischen Risiko und zusätzlichem Arbeitsaufwand verbunden. Neben der ärztlichen Tätigkeit kommen administrative und betriebswirtschaftliche Aufgaben auf dich zu.
Die Gehälter können stark variieren und hängen von verschiedenen Faktoren wie Standort, Patientenzahl, Spezialisierung und betriebswirtschaftlichem Geschick ab. In den alten Bundesländern ist das Verdienstpotenzial für niedergelassene Ärzt/-innen tendenziell höher als in den neuen Ländern.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Reinertrag einer allgemeinmedizinischen Hausarztpraxis lag laut Destatis im Erhebungsjahr 2023 im Mittel bei 271.000 € pro Jahr.
- Dieser Reinertrag (Praxisgewinn vor Steuern) ist nicht dein Nettoeinkommen: Einkommensteuer, eigene Krankenversicherung und Altersvorsorge werden noch abgezogen.
- Über alle Fachrichtungen hinweg betrug der mittlere Reinertrag je Praxis 310.000 €, angeführt von der Gruppe Radiologie/Nuklearmedizin/Strahlentherapie mit 1.187.000 €.
- Standort, Patienten- und Privatpatientenanteil sowie Praxismanagement beeinflussen das Gehalt als Hausarzt/-ärztin mit eigener Praxis erheblich.
Einen Gesamtüberblick über alle Arzt-Gehälter nach Fachrichtung und Karrierestufe findest du in unserem Facharzt Gehalt Ratgeber.
Gehalt Hausarzt mit eigener Praxis: Einnahmen und Reinerträge im Überblick
Als niedergelassene/r Hausärzt/-in oder Facharzt/-ärztin erzielst du je nach Fachgebiet und Standort unterschiedlich hohe Einnahmen und Reinerträge. Die Höhe der Einnahmen wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, wie beispielsweise den Behandlungskosten, der Patientenstruktur und der Region, in der sich deine Praxis befindet.
Laut der Kostenstrukturerhebung bei Arztpraxen des Statistischen Bundesamtes (Destatis, Erhebungsjahr 2023) betrug der mittlere Reinertrag je Praxis über alle Fachrichtungen hinweg 310.000 € pro Jahr. Wichtig zu verstehen: Der Reinertrag ist der Praxisgewinn vor Einkommensteuer, eigener Krankenversicherung und Altersvorsorge. Er entspricht nicht dem Nettoeinkommen des Praxisinhabers. Was am Ende tatsächlich auf deinem Konto landet, hängt zusätzlich von deiner Steuerbelastung und dem gewählten Vorsorgemodell ab.
Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Einnahmen, Aufwendungen und Reinerträge für ausgewählte Fachbereiche (Quelle: Destatis, Kostenstruktur bei Arztpraxen, Erhebungsjahr 2023, Tabelle kost-03):
| Fachgebiet | Einnahmen | Aufwendungen | Reinertrag |
| Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie | 3.003.000 € | 1.875.000 € | 1.187.000 € |
| Allgemeinmedizin (Hausärzte) | 466.000 € | 215.000 € | 271.000 € |
| Chirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie (Gruppe) | 515.000 € | k. A. | 286.000 € |
Wie du in der Tabelle erkennen kannst, variieren die Einnahmen und Reinerträge erheblich zwischen den verschiedenen Fachgebieten. Während die Gruppe Radiologie einen mittleren Reinertrag von über einer Million Euro erzielt, liegt dieser Wert in der Allgemeinmedizin mit 271.000 Euro deutlich niedriger. Auch regional gibt es Unterschiede: In Baden-Württemberg und Bayern sind die Reinerträge tendenziell höher als in den neuen Bundesländern. Zudem beeinflusst die Standortwahl zwischen Stadt und Land dein Einkommen sowie die Kosten für eine mögliche Praxisübernahme.
Die Kosten einer eigenen Arztpraxis im Detail
Wenn du als Hausarzt/-ärztin eine eigene Praxis eröffnest oder übernimmst, musst du neben den Einnahmen auch die anfallenden Kosten berücksichtigen. Die Investitionskosten für Praxisräume, Einrichtung, medizinische Geräte und Grundausstattung für Untersuchungen, Administration und Empfang variieren stark. Während die Übernahme einer kleineren Landarztpraxis häufig im fünfstelligen Bereich liegt, kann die Modernisierung mit neuester Ausstattung schnell sechsstellige Summen erreichen.
Zu den einmaligen Investitionskosten kommen laufende Folgekosten für Miete, Personal, Material, Krankenversicherungen für dich und deine Mitarbeiter, Versorgungswerk und Steuern hinzu. Als selbstständige/r Arzt/Ärztin trägst du die volle Verantwortung für alle anfallenden Kosten sowie die Patientenakquise. Oft werden hohe Darlehen benötigt, um die Praxisübernahme oder -gründung zu finanzieren.
Die genauen Kosten einer Arztpraxis hängen von vielen Faktoren ab, wie der Fachrichtung, dem Standort und der Größe. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes betragen die durchschnittlichen Jahreskosten einer Radiologiepraxis etwa 1.734.000 Euro, bedingt durch teure medizinische Geräte. Für Allgemeinmediziner/-innen liegen die Kosten meist deutlich niedriger, da hier vor allem in Praxisräume, Einrichtung und Grundausstattung investiert werden muss.
Eine sorgfältige Finanzplanung mit Erstellung eines individuellen Finanzplans und Praxis-Check-ups zur Kostenermittlung sind in Zusammenarbeit mit dem Existenzgründungsservice der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für selbstständige Ärztinnen und Ärzte unerlässlich. So kannst du die zu erwartenden Kosten realistisch einschätzen und dein Gehalt als niedergelassene/r Arzt/Ärztin besser kalkulieren.

Wenn du deine eigene Praxis führst, ist eine gute Finanzplanung das A und O für geschäftlichen Erfolg.
Gehalt Hausarzt mit eigener Praxis: Vergleich zu anderen Arztgruppen als Tabelle
Als Hausarzt/-ärztin mit eigener Praxis im Bereich der Allgemeinmedizin kannst du ein gutes Einkommen erzielen. Doch wie schneidet dein Gehalt im Vergleich zu anderen Fachrichtungen ab? Die folgende Tabelle zeigt die Reinerträge niedergelassener Ärzt/-innen verschiedener Spezialisierungen laut Destatis (Erhebungsjahr 2023, Tabelle kost-03). Für einige Fachgebiete liegen dort keine separaten Destatis-Werte vor. Diese Zeilen basieren auf früheren Erhebungen und sind entsprechend gekennzeichnet.
Denk daran: Der Reinertrag ist der Praxisüberschuss vor Steuern und privater Vorsorge, kein Nettoeinkommen.
| Fachrichtung | Mittlerer Reinertrag je Praxis (Erhebungsjahr 2023, Destatis) |
| Radiologie/Nuklearmedizin/Strahlentherapie | 1.187.000 € |
| Augenheilkunde | 561.000 € |
| Orthopädie | 442.000 € ¹ |
| Dermatologie | 336.000 € ¹ |
| Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde | 326.000 € ¹ |
| Allgemeinmedizin (Hausärzte) | 271.000 € |
| Innere Medizin | 291.000 € ¹ |
| Frauenheilkunde/Gynäkologie | 208.000 € |
| Kinderheilkunde/Pädiatrie | 277.000 € |
| Chirurgie/MKG/Neurochirurgie (Gruppe) | 286.000 € |
| Urologie | 233.000 € ¹ |
| Neurologie | 232.000 € ¹ |
| Psychotherapie | 87.500 € ¹ |
¹ Diese Werte stammen aus früheren Destatis-Erhebungen und sind noch nicht mit dem Stand 2023 (Tabelle kost-03) abgeglichen. Sie dienen der Orientierung.
Die Tabelle macht deutlich, dass die Gruppe Radiologie/Nuklearmedizin/Strahlentherapie mit einem mittleren Reinertrag von 1.187.000 Euro pro Jahr an der Spitze liegt. Augenärzt/-innen folgen mit 561.000 Euro auf Platz zwei der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Als Allgemeinmediziner/-in liegt der Destatis-Mittelwert bei 271.000 Euro, ähnlich wie Pädiater/-innen (277.000 Euro) und Chirurginnen und Chirurgen (286.000 Euro). Neurologen erzielen mit rund 232.000 Euro und Psychotherapeut/-innen mit rund 87.500 Euro erfahrungsgemäß die niedrigsten Reinerträge.
Die Gehaltsunterschiede lassen sich durch verschiedene Faktoren erklären, wie z.B. Behandlungszeiten, Patientenzahlen im Haus, Gerätekosten und Abrechnungsmöglichkeiten. Auch innerhalb einer Fachrichtung können die Gehälter variieren, abhängig von der Region und dem Verhältnis von Kassen- zu Privatpatienten.
Wie du den Ertrag einer eigenen Praxis steigern kannst
Als niedergelassener Arzt beeinflusst die Patientenstruktur deinen Ertrag maßgeblich. Ein ausgewogenes Verhältnis von Kassen- und Privatpatienten trägt zur finanziellen Stabilität bei. Auch der Standort deiner Praxis spielt eine entscheidende Rolle. In Städten sind die Anfangsinvestitionen zwar höher, doch profitierst du von einer größeren Einzugsfläche. Auf dem Land ist der Konkurrenzdruck geringer, allerdings auch die Bevölkerungsdichte. Eine strategische Wahl des Standorts unter Berücksichtigung der Infrastruktur und des Patientenpools optimiert deine Ertragsaussichten.
Durch Spezialisierungen und Zusatzleistungen kannst du dein Leistungsspektrum erweitern und zusätzliche Einnahmen generieren. IGEL-Leistungen bieten die Möglichkeit, außerhalb des Kassensystems attraktive Angebote für Patienten zu schaffen. Ein konsequentes Praxismanagement mit effizientem Controlling und ausgeprägtem Kostenbewusstsein trägt ebenfalls zur Ertragssteigerung bei. Optimiere deine Abrechnung und nutze digitale Tools, um Prozesse zu verschlanken und Ressourcen zu sparen.
Investiere in kontinuierliche Fortbildungen, um deine Qualität und Attraktivität für Patienten zu sichern. Baue eine loyale Stammkundschaft auf, indem du hervorragenden Service und eine persönliche Betreuung bietest. Auch Nebentätigkeiten wie Gutachten, Beratungen oder Dozententätigkeiten eröffnen zusätzliche Einnahmequellen. Mit einer Praxisübernahme kannst du von Anfang an von einem bestehenden Patientenstamm profitieren und deine Anfangsinvestition reduzieren. Durch eine gezielte Kombination dieser Maßnahmen steigerst du nachhaltig den Ertrag deiner hausärztlichen Praxis.
Quellen & Begriffe
Was ist Destatis?Das Statistische Bundesamt (Destatis) ist die amtliche Statistikbehörde Deutschlands. Die Kostenstrukturerhebung bei Arztpraxen (Tabelle kost-03) erscheint alle vier Jahre und liefert den durchschnittlichen Reinertrag je Praxis pro Fachgruppe, zuletzt für Erhebungsjahr 2023, veröffentlicht 2025. Sie ist die einzige amtliche, bundesweit repräsentative Quelle, die Praxiseinkommen nach Fachgruppen aufschlüsselt.
Reinertrag ist nicht NettoeinkommenDer von Destatis ausgewiesene Reinertrag ist der Praxisgewinn vor Steuern: Einnahmen minus Aufwendungen (Personal, Miete, Geräte). Davon gehen für den Inhaber noch Einkommensteuer, eigene Krankenversicherung und Altersvorsorge ab. Was am Ende auf dem Konto landet, liegt entsprechend darunter.

