Oberarzt Gehalt: Was verdient ein Oberarzt in Deutschland?

MUDr. Andreas Zehetner

MUDr. Andreas Zehetner

CO-Founder von futuredoctor

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Lesezeit: 9 Minuten
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Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2026
Oberarzt Gehalt: Was verdient ein Oberarzt in Deutschland?

☝️ Das Wichtigste in Kürze

  • Das Einstiegsgehalt als Oberarzt/-ärztin liegt zwischen 8.317 € und 9.064 € brutto monatlich.
  • Im 7. Jahr kann das Gehalt auf über 10.000 € brutto im Monat steigen.
  • Außertarifliche Vereinbarungen ermöglichen individuell ausgehandelte, höhere Gehälter.
  • Oberärzt/-innen in Baden-Württemberg haben mit 12.026 € brutto monatlich das höchste Durchschnittsgehalt.

📖 Inhaltsverzeichnis

Als Oberarzt/-ärztin übernimmst du eine leitende Funktion in der Klinik und trägst mehr Verantwortung als ein Assistenzarzt/-ärztin. Diese Position ist für viele Nachwuchsmediziner/-innen ein erstrebenswertes Karriereziel, nicht zuletzt wegen des attraktiven Gehalts. Doch wie hoch ist das Einkommen als Oberarzt/-ärztin tatsächlich und welche Faktoren beeinflussen die Höhe des Gehalts?

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Oberarzt Gehalt liegt tariflich (TV-Ärzte Ä3) im Grundgehalt zwischen 9.274 € und 10.599 € brutto monatlich in kommunalen Krankenhäusern (Stand: August 2025).
  • An Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) beträgt das Grundgehalt in der Entgeltgruppe Ä3 zwischen 9.302 € und 10.631 € monatlich (Stand: Februar 2025).
  • Realistisch ergibt sich mit Diensten und ggf. außertariflichem Vertrag eine Jahresbandbreite von rund 115.000 bis 145.000 € brutto.
  • Die Fachrichtung beeinflusst das Gehalt vor allem über außertarifliche Vereinbarungen, nicht über den Grundtarif.
  • Als nächste Karrierestufe folgt der Leitende Oberarzt (Entgeltgruppe Ä4) mit entsprechend höherer Vergütung.

Einstiegsgehalt als Oberarzt/-ärztin

Als Oberarzt/-ärztin wirst du tariflich in der Entgeltgruppe Ä3 des TV-Ärzte eingruppiert. Der Tarif kennt drei Stufen, die sich nach der Berufserfahrung richten. Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Grundgehälter nach Tarifbereich:

TarifbereichÄ3 Stufe 1Ä3 Stufe 3Stand
TV-Ärzte VKA (kommunale Krankenhäuser)9.274,08 €10.598,97 €01.08.2025
TV-Ärzte TdL (Universitätskliniken)9.302,27 €10.631,15 €01.02.2025

Quelle: Marburger Bund — Tarifverträge (Marburger Bund, Primärquelle).

Hinweis zum VKA-Tarif: Der laufende Tarifvertrag läuft bis 31.05.2026. Ab 01.06.2026 ist eine weitere Erhöhung von 2 % vereinbart. Für den TdL-Bereich (Unikliniken) läuft die Tarifrunde 2026. Ein Ergebnis lag zum Stand dieser Aktualisierung (Mai 2026) noch nicht vor.

Das Grundgehalt ist nicht das Gesamtgehalt. Hinzu kommen erfahrungsgemäß Zuschläge für Bereitschaftsdienste, Nachtarbeit (+20 %), Sonntagsarbeit (+25 %) und Feiertagsdienste. In der Praxis liegt das realistische Bruttojahresgehalt eines Oberarztes inklusive Dienste bei rund 115.000 bis 145.000 €, je nach Dienstbelastung, Arbeitgeber und ob ein außertariflicher Vertrag besteht.

Die Größe der Einrichtung spielt erfahrungsgemäß ebenfalls eine Rolle: In großen Häusern sind die Gesamtpakete inklusive Boni und Zusatzleistungen tendenziell höher als in kleineren Kliniken.

Durchschnittliches Gehalt als Oberarzt/-ärztin in Deutschland

Das Grundgehalt nach Tarifvertrag bildet nur die Basis des Oberarzt-Einkommens. Erfahrungsgemäß wechseln viele Oberärztinnen und Oberärzte nach einigen Jahren in einen außertariflichen Vertrag (AT-Vertrag). Dieser wird individuell verhandelt und liegt in der Regel zwischen 130.000 und 150.000 € brutto jährlich. Leitende Oberärzte können auf diesem Weg bis zu 170.000 € erreichen.

Fachrichtung, Klinikgröße und Region beeinflussen das Gesamteinkommen, vor allem im außertariflichen Bereich. Grundsätzlich gilt: Je weiter westlich oder südlich das Bundesland, desto höher sind erfahrungsgemäß die tatsächlich erzielten außertariflichen Gehälter, wenngleich der Tarif selbst bundesweit einheitlich gilt.

Das Geschlecht hat einen nachgewiesenen Einfluss auf das tatsächlich erzielte Gehalt: Männliche Oberärzte verdienen im Durchschnitt mehr als ihre weiblichen Kolleginnen. Dieser Unterschied entsteht vor allem im außertariflichen Bereich und bei der Inanspruchnahme von Nebentätigkeiten.

Als Abteilungsleiter bzw. leitende/r Oberarzt/-ärztin wirst du in die Entgeltgruppe Ä4 eingruppiert. Das Grundgehalt steigt damit spürbar. Im außertariflichen Bereich sind für leitende Oberärzte auch Gesamtpakete bis zu 170.000 € und mehr möglich.

Gehaltsfaktoren für Oberärzt/-innen

Das Gehalt der Oberärzte und Oberärztinnen wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Mit zunehmender Berufserfahrung werden viele Oberärzt/-innen nicht mehr nach Tarifvertrag bezahlt, sondern in den außertariflichen Bereich eingruppiert. Dies gilt auch, wenn du im nächsten Schritt Leitender Oberarzt wirst. Das außertarifliche Oberarzt-Gehalt wird individuell ausgehandelt, ähnlich wie das Chefarzt-Gehalt.

In Zeiten des Fachkräftemangels und vieler offener Stellen haben Oberärzt/-innen bei Gehaltsverhandlungen einen gewissen Spielraum, da Kliniken durch attraktive Gehälter und Konditionen qualifizierte Ärztinnen und Ärzte gewinnen und halten wollen. Ein bedeutender Gehaltsfaktor ist nach wie vor die Region. Je nach Bundesland können Oberärzt/-innen im außertariflichen Bereich unterschiedliche Gehaltsstufen erreichen, wobei die alten Bundesländer als Standort tendenziell lukrativer sind.

Die Tarifverträge für Oberärzte im Überblick

Unterhalb findest du die aktuellen Tarifwerte für die Entgeltgruppe Ä3 (Oberarzt) nach den beiden großen öffentlichen Tarifen sowie Richtwerte für ausgewählte private Klinikgruppen. Die privaten Haustarife werden nicht öffentlich ausgewiesen. Die Angaben dort basieren auf veröffentlichten Orientierungswerten und können sich geändert haben.

TarifvertragÄ3 Stufe 1 / MonatÄ3 Stufe 3 / MonatStand
TV-Ärzte TdL (Universitätskliniken)9.302,27 €10.631,15 €01.02.2025
TV Ärzte VKA (Kommunale Krankenhäuser)9.274,08 €10.598,97 €01.08.2025
TV Ärzte AsklepiosHaustarif, nicht öffentlichk. A.ohne Stand
TV Ärzte HELIOSHaustarif, nicht öffentlichk. A.ohne Stand
TV Ärzte SanaHaustarif, nicht öffentlichk. A.ohne Stand

Quelle für TdL und VKA: Marburger Bund — Tarifverträge.

Die privaten Klinikgruppen schließen eigene Haustarifverträge ab, die in der Regel ähnlich oder leicht oberhalb der öffentlichen Tarife liegen, aber keine Veröffentlichungspflicht haben.

Die Größe und der Standort des Arbeitgebers wirken sich ebenfalls auf das Oberarzt-Gehalt aus. In größeren Krankenhäusern und Regionen wie Westdeutschland und Bayern sind die Verdienstmöglichkeiten für Oberärzt/-innen tendenziell höher.

Oberarzt Gehalt: Was verdienst du innerhalb der Fachrichtung?

Du fragst dich sicher, wie sich das Gehalt von Oberärzt/-innen in verschiedenen medizinischen Fachbereichen unterscheidet. Tatsächlich können die Verdienstmöglichkeiten je nach Spezialisierung variieren, wobei insbesondere Oberärzt/-innen in begehrten Fachrichtungen oft von höheren außertariflichen Gehältern profitieren. Der Fachkräftemangel in vielen Kliniken trägt ebenfalls dazu bei, dass erfahrene Oberärzt/-innen in bestimmten Bereichen bessere Verhandlungspositionen haben.

Laut dem Kienbaum Vergütungsreport 2019 sind Oberärzt/-innen in der Chirurgie mit einem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 148.000 € die Spitzenverdiener/-innen, gefolgt von Oberärzt/-innen der Inneren Medizin mit im Schnitt 142.000 € brutto pro Jahr. Diese Zahlen stammen aus dem Kienbaum Vergütungsreport 2019 und sind daher als historischer Orientierungsrahmen zu verstehen, nicht als aktuelle Tarifwerte. Ein aktualisierter öffentlicher Report ist nicht frei verfügbar.

FachrichtungØ Bruttojahresgehalt (Kienbaum 2019)
Chirurgie148.000 €
Innere Medizin142.000 €
Gynäkologie135.000 €
Orthopädie135.000 €
Radiologie134.000 €
Anästhesie/Intensivmedizin133.000 €
Urologie132.000 €
Pädiatrie131.000 €
Geriatrie111.000 €

Quelle: Kienbaum Vergütungsreport 2019. Aktuellere Vergleichsdaten sind nicht öffentlich verfügbar.

Interessanterweise unterscheiden die Tarifverträge für Oberärzt/-innen in der Regel nicht zwischen den einzelnen Fachbereichen. Das bedeutet, ein rein nach Tarif bezahlter Geriater würde dasselbe Grundgehalt erhalten wie ein Oberarzt in der Radiologie. In der Praxis treffen jedoch viele Oberärzt/-innen mit ihren Arbeitgebern eine außertarifliche Vergütungsvereinbarung, die den Weg für fachspezifische Gehaltsunterschiede ebnet.

Für dich als angehende/-r Oberarzt/-ärztin lohnt es sich daher, die Verdienstmöglichkeiten in deiner Wunschfachrichtung im Blick zu behalten. Mit einer gefragten Spezialisierung und entsprechender Berufserfahrung stehen die Chancen gut, dass du in Gehaltsverhandlungen eine starke Position einnimmst.

Einen Gesamtüberblick über alle Arzt-Gehälter nach Fachrichtung und Karrierestufe findest du in unserem Facharzt Gehalt Ratgeber.

Möglichkeiten zur Gehaltssteigerung als Oberarzt

Als Oberarzt/-ärztin hast du verschiedene Optionen, dein Gehalt zu erhöhen. Eine gute Verhandlungsposition ergibt sich durch den Mangel an verfügbaren Fachkräften, insbesondere in Bereichen wie Gastroenterologie, Pneumologie und Gefäßchirurgie. Dieser Engpass führt mancherorts zu jahrelang unbesetzten Stellen und eröffnet Raum für Gehaltsverhandlungen.

Eine Möglichkeit, dein Einkommen zu steigern, ist der Wechsel zu einem außertariflichen Vertrag (AT-Vertrag). Während bei Tarifverträgen automatische Gehaltssteigerungen vorgesehen sind, erlauben AT-Verträge individuellere Regelungen und Vergütungen zwischen 130.000 und 150.000 Euro. Leitende Oberärzte/-ärztinnen können sogar bis zu 170.000 Euro erhalten. In spezialisierten Fachbereichen wie Neuroradiologie, interventioneller Kardiologie und Wirbelsäulenchirurgie sind Gehälter bis zu 200.000 Euro möglich, mit Gesamtvergütungen von bis zu 230.000 Euro durch Zielvereinbarungen, Boni und Nebentätigkeiten.

AT-Verträge bringen neben höheren Gehältern auch individuelle Benefits wie größere Fortbildungsbudgets, zusätzliche Trainingstage an anderen Standorten und Kooperationen mit Industriepartnern. Allerdings erfordern sie überdurchschnittliches Engagement und sind daher möglicherweise nicht für jeden geeignet. Der Wechsel vom Tarif- zum AT-Modell variiert je nach Arbeitgeber, wird aber üblicherweise nach zwei bis drei Jahren Leistung erwartet.

Eine weitere Option zur Gehaltssteigerung ist die Führung einer eigenen Praxis in Vollzeit. Der durchschnittliche Reinertrag (Einnahmen abzüglich Kosten) beträgt hier erfahrungsgemäß mehrere hunderttausend Euro, wovon noch Versicherungen, Sozialabgaben und Steuern zu zahlen sind.

Bei Gehaltsverhandlungen können auch die eigene Leistung und geplante Verbesserungen in der Abteilung als Argumente für Gehaltserhöhungen dienen. Eine gründliche Vorbereitung und gute Kommunikation sind wichtig für erfolgreiche Verhandlungen.

Eine weitere Option bietet die Tätigkeit als Honorar- oder Vertretungsarzt/-ärztin. Erfahrungsgemäß können Oberärzt/-innen in diesem Modell rund 30 % mehr als bei einer Festanstellung verdienen. Die Stundenlöhne als Vertretungsarzt/-ärztin können bis zu 120 Euro pro Stunde betragen. Zudem besteht die Möglichkeit, ohne Tarifbindung individuell höhere Gehälter auszuhandeln.

Insgesamt bieten sich Oberärzten/-ärztinnen vielfältige Möglichkeiten, ihr Gehalt zu steigern. Neben dem Wechsel in bessere Vertragsmodelle spielen auch die fachliche Spezialisierung, geschickte Verhandlungsstrategien und die kluge Nutzung von Nebentätigkeiten eine Rolle. Etwa ein Viertel der Oberärzte/-ärztinnen erhält eine Nebentätigkeitsgenehmigung vom Krankenhaus, was im Mittel zu einem zusätzlichen Jahresverdienst von rund 7.000 Euro führt.

Oberarzt Gehalt im Vergleich zu anderen Ärzten

Als Oberarzt/-ärztin nimmst du eine wichtige Rolle im Krankenhaus ein und trägst mehr Verantwortung als Assistenzärzte/-ärztinnen. Dies spiegelt sich im Gehalt wider: Das Einstiegsgehalt für Assistenzärzte in kommunalen Krankenhäusern liegt in der Entgeltgruppe Ä1 derzeit bei rund 5.610 € brutto im ersten Jahr (TV-Ärzte VKA, Stand August 2025). Das Grundgehalt eines Oberarztes (Ä3) beginnt bei rund 9.274 € monatlich, also gut 65 % höher.

Leitende Oberärzte/-ärztinnen in der Entgeltgruppe Ä4 können ein Grundgehalt zwischen rund 10.909 € (VKA Stufe 1) und 11.689 € (VKA Stufe 2) erreichen, was jedoch weiterhin unter dem Chefarztgehalt liegt. Chefärzte sind in der Regel vollständig außertariflich vergütet. Dort ist die Bandbreite deutlich größer.

Das Geschlecht spielt beim Oberarztgehalt ebenfalls eine Rolle: Männliche Oberärzte verdienen im Durchschnitt mehr als ihre weiblichen Kolleginnen. Dennoch bietet die Position als Oberarzt/-ärztin attraktive Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen für engagierte Medizinerinnen und Mediziner.